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BLICKWINKEL

Juergen Eck 3

Die Gewässer an den Kapitalmärkten sind alles andere als ruhig. Warum BRAIN dennoch den Schritt aufs Börsenparkett erfolgreich wagte, erläutert Dr. Jürgen Eck, der „Kapitän“ der BRAIN.

BRAIN: Die BRAIN AG ist ein Unternehmen der weißen, industriellen Biotechnologie mit dem Schwerpunkt Bioökonomie. Was genau macht den großen Unterschied zu anderen Technologieunternehmen der Branche aus?

Dr. Jürgen Eck: BRAIN unterscheidet sich sehr stark von den Unternehmen der „roten bzw. medizinischen Biotechnologie“, die aufgrund der hohen Entwicklungskosten nur auf eine oder wenige Produktentwicklung setzen und von dem Risiko der klinischen Prüfung der Pharmawirkstoffe gezeichnet ist. BRAIN hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Player im Bereich der Bioökonomie in Europa entwickelt. Mit unseren Technologien der industriellen Biotechnologie haben wir vielfältige Möglichkeiten. Wir reformieren industrielle Produktionsprozesse und machen sie effizienter und nachhaltiger, um den Weg einer biologisch geprägten Wirtschaft zu bereiten. Die Intention ist, Lösungen aus der Natur in Form von Mikroorganismen, Enzymen und natürlichen Biomolekülen unter anderem in der industriellen Produktion zu nutzen. Dadurch kann es immer wieder gelingen, wesentliche Verbesserungen gegenüber herkömmlichen Produktionsprozessen oder Produkten zu erreichen, z. B. in der Chemie-, Bergbau- und Konsumgüterindustrie und ebenso in der Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie. 

BRAIN: Worin besteht dann das Alleinstellungsmerkmal der BRAIN?

Dr. Jürgen Eck: Unser Alleinstellungmerkmal ist gleichzeitig unser Fundament, auf dem alle unsere Technologieplattformen aufbauen. Es ist unser umfangreiches „Bio- Archiv“, das wir gern auch als „Werkzeugkasten der Natur“ bezeichnen. Dieses enthält etwa 53 000 umfassend charakterisierte kultivierbare Mikroorganismen, mehr als 50 000 strukturell charakterisierte Naturstoffe und Fraktionen aus zum Beispiel essbarem Pflanzenmaterial sowie eine Vielzahl neuer Enzyme und Stoffwechselwege aus bisher nicht kultivierbaren Organismen. Auf diese einzigartige Sammlung natürlicher Ressourcen können wir mithilfe der bereits genannten Technologieplattformen sehr effizient zugreifen und so neue Produkte für eine nachhaltige Wirtschaft schaffen.

BRAIN: BRAIN hat inzwischen neben der Forschung und Entwicklung ein zweites, offensichtlich sehr lukratives Standbein. Sind Sie auf dem Weg zu einem Produktions- und Vertriebsunternehmen?

Dr. Jürgen Eck: In der Tat ist BRAIN kein reines Forschungs- unternehmen mehr. Wir bedienen den Markt in zwei Geschäftssegmenten: „BioScience“ und „BioIndustrial“. Neben unseren Kooperationsgeschäften mit namenhaften Industriekonzernen entwickeln und vermarkten wir mithilfe unserer Tochterunternehmen zunehmend auch eigene Produkte. Der Konzern BRAIN ist in der Vergangenheit beständig gewachsen und das wollen wir auch in Zukunft in beiden Geschäftssegmenten erreichen.

BRAIN: Können Sie uns etwas zu aktuellen, größeren Projekten in Ihrer Produkt-Pipeline berichten?

Dr. Jürgen Eck: Wir haben derzeit mehrere interessante Entwicklungslinien in den verschiedenen Produktbereichen, die in den nächsten Jahren Marktreife erreichen sollen. Besonders intensiv beschäftigen wir uns u. a. mit Geschmacksmodulatoren im Nahrungsmittelsektor. Das Thema „Gesundheit“ ist von ausgeprägter globaler Bedeutung. In Zeiten, in denen z. B. immer mehr Länder auf eine Zuckersteuer drängen, zuletzt hat dies Großbritannien verlautbart, mit dem Ziel dass der Gehalt von Zucker in Lebensmitteln reduziert wird, werden biologische Süßstoffe und natürliche Süßkraftverstärker immer bedeutungsvoller. Das Thema Geschmack und Gesundheit beschäftigt im Übrigen auch die Tiernahrungsbranche. Auch zum Thema Umweltschutz sind wir in verschiedenen Projekten und Kooperationen aktiv und treffen damit den Nerv der Zeit. Da geht es z. B. um die biotechnologische Herstellung von Schmierstoffadditiven aus nachwachsenden Rohstoffen oder die Nutzung von CO2 z. B. zur Herstellung von Bioplastik. Einige dieser Forschungsvorhaben realisieren wir mit einer Vielzahl von Industriepartnern in einer strategischen Allianz namens ZeroCarbFP, die zum Teil vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird. Darin entwickeln wir mit unseren Partnern Technologien und Prozesse, die industrielle Abfallströme durch Mikroorganismen in Wertstoffe umwandeln. Zu den Partnern zählen die Fuchs Petrolub, die Südzucker, die Emschergenossenschaft und BioEton. 

BRAIN: Das BMBF unterstützt Sie bei Forschungsvorhaben? Spüren Sie politischen Rückenwind?

Dr. Jürgen Eck: Ein klares ja. Die globale Politik sieht in der Bio- ökonomie ein Zukunftsfeld. Es gibt verschiedene Pro- gramme, die Unternehmen, die sich mit Nachhaltigkeit und Biologisierung von Industrien beschäftigen, in ihrer Arbeit unterstützen sollen. Auch in den Medien ist das Thema Bioökonomie sehr präsent. Es ist nicht nur für die Politik ein wichtiges Zukunftsfeld. Eine biobasierte Wirtschaft aufzubau- en, das war zuletzt auch Thema des „Global Bioeconomy Summit“ in Berlin, an dem auf Initiative des Bioökonomierats der deutschen Bundesregierung Ende November 2015 über 700 Teilnehmer aus 82 Staaten teilnahmen. Kurz darauf, am 30. November 2015, begannen die Ver- handlungen für ein globales Klimaabkommen im Rahmen von COP 21 in Paris, wobei verbindliche globale Ziele für Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz definiert wurden.

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Es war der Zeitpunkt erreicht, finanzielle Eigenständigkeit zu erlangen

BRAIN: Herr Dr. Eck, warum ist die BRAIN AG gerade jetzt zu Zeiten so widriger Finanzmarktbedingungen an die Börse gegangen?

Dr. Jürgen Eck: Für BRAIN war im Hinblick auf Unternehmenswachstum und  Stärkung der Produktentwicklungslinien der Zeitpunkt erreicht, mit dem Börsengang einen Zugang zum Kapitalmarkt zu schaffen – als weitere Ausbaustufe zur Umsetzung unserer Industrialisierungsstrategie. Dafür war der Börsengang ein logischer nächster Schritt. Die aktuelle Marktverfassung an der Börse hat uns diesen Weg nicht gerade leicht gemacht. Aber es wurde deutlich, dass die Bioökonomie auch in Kapitalmarktkreisen unstrittig als Zukunftsbranche anerkannt ist, unabhängig von aktu- ellen Börsenturbulenzen. Dies war auch der Tenor der Investoren und Analysten auf den Roadshows. Auch der hohe Anteil an Privatanlegern zeigt das wachsende Interesse und Vertrauen in die Bioökonomie – und dies ganz unabhängig vom gegenwärtig rauen Wind an den Kapitalmärkten.

BRAIN: Wann, denken Sie, wird für BRAIN der Breakeven-Punkt erreicht sein?

Dr. Jürgen Eck: Wir wollen konsequent unsere Industrialisierungsstrategie und unseren „Multi-Product-Opportunity“- Ansatz weiterverfolgen. Dieser baut darauf auf, dass eine von BRAIN entwickelte innovative Lösung oftmals in verschiedenen Marktsegmenten und Anwendungen verwendet werden kann. Außerdem wollen wir unsere Geschäftsaktivitäten in „BioScience“-Segment mit unseren Kooperationspartnerschaften sowie das „BioIndustrial“- Segment über Europa hinaus weiter global ausbauen. Wenn wir die Historie unserer Finanzzahlen betrachten, lässt sich der Trend zum Ausbau unseres Geschäftsbereichs „BioIndustrial“ ablesen, dessen Gesamtleistung seit dem Geschäftsjahr 2012/13 deutlich zweistellig gewachsen ist. Mit BioScience und BioIndustrial gibt es also zwei Wachstumssäulen, die beide die Grundlage der nach- haltig positiven Entwicklung des Unternehmens und der Unternehmensgruppe werden sollen.

BRAIN: Werden sich durch die Umstellung der BRAIN AG in ein börsennotiertes Unternehmen größere Veränderungen im Bezug auf Ihre Mitarbeiter oder die Unternehmenspolitik ergeben?

Dr. Jürgen Eck: Die Kreativität der Mannschaft und eine großartige Unternehmenskultur ist ein Schlüssel des Erfolges der BRAIN und daran soll sich auch nach dem Börsengang nichts ändern, ganz im Gegenteil. Natürlich unterliegen wir gegenüber der Börse und der Öffentlichkeit einer strengeren Informationspflicht und müssen uns vermehrt an Fristen und formalen Abläufen orientieren, aber das betrifft in erster Linie die Geschäftsleitung und die Finanzabteilung. Wir werden davon abgesehen unsere Industrialisierungsstrategie weiter vorantreiben und anstreben weiter zu wachsen, aber das ist für die Mitarbeiterschaft keine wirkliche Neuerung. Schließlich waren und sind sie es, die die Grundlagen hierfür schaffen.

BRAIN: Herr Dr. Eck, Sie sind nun seit der Gründung der BRAIN vor fast 23 Jahren im Team. Wie sehr hängt die weitere Entwicklung des Unternehmens an Ihrer Person?

Dr. Jürgen Eck: Wir haben in Vorbereitung auf die nächsten Wachstumsphasen der BRAIN unser Führungsteam früh genug erweitert und die Verantwortlichkeiten verteilt. Außer mir sind im zehnköpfigen Managementteam noch weitere Mitglieder, die schon seit den Gründungsjahren im Unternehmen tätig sind und hochmotiviert einen wesentlichen Beitrag zum weiteren Ausbau beitragen. Außerdem wurde mit Hinblick auf den IPO der Vorstand um einige erfahrene Kollegen erweitert. Die Entwicklung des Unternehmens wird getragen durch eine gesunde Mischung aus Erfahren und Können im Team. Der Star ist die Mannschaft.

BRAIN: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Eck! 

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