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BLICKWINKEL

Sombroek 1

Gesundes Altern ist angesichts des demografischen Wandels ein zunehmend wichtiges Thema für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Es entstehen sowohl neue Notwendigkeiten für das Gesundheitssystem als auch Chancen für Innovationen in diesem breiten Themenfeld. Dr. Dirk Sombroek über die Innovationsallianz NatLifE 2020, die sich dieser Aufgabe widmet.

Die Zunahme von Zivilisationskrankheiten, steigende Kosten im Gesundheitswesen, die allgemeine Ressourcenverknappung und das wachsende umwelt- und sicherheitstechnische Verantwortungsbewusstsein führen zu einer Aufwertung von Erforschung, Entwicklung und Vermarktung von Produkten mit wirksamen wie nachhaltig produzierten Inhaltsstoffen. Da sich die entsprechenden wissenschaftlich-technischen Herausforderungen am besten interdisziplinär meistern lassen, bietet die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Zuge der „Innovationsinitiative industrielle Biotechnologie“ geförderte strategische Allianz „Natural Life Excellence Network 2020“ (NatLifE 2020) ideale Rahmenbedingungen für die Entwicklung neuer Konzepte und Produkte.

Logo Nat Life

In vier unterschiedlichen Unterprogrammen entwickeln die NatLifE-Allianzpartner seit 2013 nachhaltige Produktionsprozesse und neue Testsysteme für innovative bioaktive Inhaltsstoffe, Proteine und kleine Moleküle, sogenannte „Small Molecules“, für die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie. Zu den vielfältigen Anwendungsgebieten zählen u. a. die Reduktion der Kaloriendichte in prozessierten Lebensmitteln und die Verbesserung von Rezepturen für Wirkkosmetika. Darüber hinaus geht es um die Etablierung nachhaltiger Produktionsprozesse, bspw. durch die Nutzung von Neben- und Abfallströmen oder durch die Vermeidung einer Konkurrenz um agrarische Anbauflächen bei der Gewinnung pflanzlicher Biomasse.

Ein zentraler Themenschwerpunkt der NatLifE 2020 sind innovative Kosmetikwirkstoffe, wie bspw. biologisch wirksame, aluminiumfreie Antitranspirantien. In diesem Forschungsfeld der biologischen Schweißreduktion führten herausragende Arbeiten während der ersten Phase der Allianz zur Beschreibung eines Ionenkanals als neuem Schlüsselspieler in der Primärschweißbildung. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse konnte bei BRAIN ein innovatives Testsystem etabliert werden, das zur Identifikation neuartiger Wirksubstanzen genutzt wird (siehe hierzu der Artikel von Dr. Torsten Ertongur-Fauth im vorliegenden Blickwinkel). Diese Wirksubstanzen werden in der aktuell laufenden zweiten Phase der Allianz zu kosmetischen Inhaltsstoffen weiterentwickelt.

Neben Ionenkanälen werden bei BRAIN auch andere molekulare Targets (meist membranständige Rezeptoren) adressiert. Zu nennen sind hier bspw. die G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPCR), die u. a. für die Hautbräunung relevant sind. Darüber hinaus sind auch die Pflege und Harmonisierung der Hautflora („Skin Microbiome“) Themen der NatLifE 2020. Dabei wird sowohl allgemein an der Konservierung kosmetischer Rezepturen als auch an neuen Aktivstoffen gegen Problemkeime (bspw. im Kontext Akne oder Kopfschuppen) geforscht.

Im Rahmen des BMBF-Programms „Innovationsinitiative industrielle Biotechnologie“ arbeiten mehrere strategische Allianzen entlang unterschiedlicher Wertschöpfungsketten, um das Potenzial der industriellen Biotechnologie für den Klima- und Ressourcenschutz und für nachhaltige Herstellungsprozesse zu erschließen. Klares Ziel ist es dabei, wettbewerbsfähige Produkte und wirtschaftlich konkurrenzfähige Verfahren zu etablieren.

Die NatLifE 2020 ist eine von mittlerweile acht strategischen Allianzen. Zur Umsetzung ihrer ambitionierten Ziele soll sie drei jeweils dreijährige Phasen durchlaufen: eine Forschungs-, eine Entwicklungs- und schließlich eine Pilotierungsphase. Die Förderung der NatLifE 2020 startete im Februar 2013. Nach der ersten dreijährigen Forschungsphase wurden die Arbeiten Ende 2015 von einem durch das BMBF berufenen Gutachtergremium einer wissenschaftlichen sowie wirtschaftlichen Begutachtung unterzogen. Das Gremium empfahl die Förderung einer zweiten Phase. Diese Entwicklungsphase startete im März 2016 und wird planmäßig im ersten Quartal 2019 enden. Die Pilotierungsphase, bei der die entwickelten Inhaltsstoffe und Verfahren bis vor die Markteinführung gebracht werden sollen, befindet sich derzeit in der Vorbereitung.

Aktuell umfasst die Allianz NatLifE 2020 insgesamt 22 Partner aus Industrie und Forschung, darunter neben der BRAIN AG auch deren Tochtergesellschaft AnalytiCon Discovery GmbH sowie die AB Enzymes GmbH, die Henkel AG & Co. KGaA, die Phyton Biotech GmbH und die Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik in Lübeck. Inhaltlich verknüpft die NatLifE-Thematik von der Stammentwicklung bis hin zur Wirkstoffentwicklung verschiedene Forschungsbereiche der BRAIN.

Innovationsinitiative industrielle Biotechnologie

Die „Innovationsinitiative industrielle Biotechnologie“ wurde 2011 vom BMBF als erste Fördermaßnahme der „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ lanciert. Ziel ist die Biologisierung industrieller Prozesse. Mithilfe strategischer Forschungs- und Entwicklungsallianzen soll der Strukturwandel hin zu einer biobasierten Industrie beschleunigt werden.

Für die Teilnahme am ersten Bewerbungsverfahren aufgefordert waren Allianzen unter Federführung je eines Unternehmens mit potenziell kommerziellem Interesse an den finalen Forschungsresultaten. Es sollten dabei gezielt auch Industriezweige zusammenfinden, die zuvor nicht kooperiert hatten, um Synergien zu schaffen und technologische Lücken interdisziplinär und effizient schließen zu können.

Die ersten drei in die Förderung gekommenen strategischen Allianzen wurden auf der ACHEMA im Juni 2012 in Frankfurt vorgestellt. Hierzu zählten die Allianzen „Natural Life Excellence Network 2020“ (NatLifE 2020) und „Zero Carbon Foot Print“ (ZeroCarbFP)*. Die BRAIN AG ist derzeit Koordinator beider strategischen Allianzen.

* Informationen zur Innovationsallianz ZeroCarbFP finden sich im Blickwinkel „Circular

Dirk Sombroek

Dr. Dirk Sombroek

Dr. Dirk Sombroek studierte Chemie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und promovierte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Während dieser Zeit forschte Sombroek am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. 2010 kam er zu BRAIN, wo er heute als Project Manager und Platform Coordinator arbeitet. Innerhalb des Forschungsbereichs BioActives & Performance Biologicals koordiniert Sombroek die Aktivitäten der Innovationsallianz NatLifE 2020.

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